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< September 2016
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Stoppok
Stoppok
SOLO

Lichterketten und Leuchtsterne
Immer wenn das Geklingel wieder anschwillt, wenn sich Lichterketten und Leuchtsterne gegenseitig zu übertrumpfen versuchen, wenn wieder der große Konsumrausch angesagt ist, dann packt Stoppok Gitarren und Schlagwerk und zieht los. Dass er zur Vorweihnachtszeit in den Clubs und Theatern der Republik sein Gegenprogramm zum pervertierten „Fest des Friedens" spielt, ist inzwischen eine liebe Tradition. Ein Gegenprogramm zu all dem inhaltsleeren, großmäuligen und konformistischen Getriebe, wie es der Mann in den speziellen Hemden und mit dem Hang zu auffälligen Schuhen seit jeher in seiner Person vorlebt und wie er es in vielen Songs formuliert hat: In der Hymne an kritische Menschlichkeit „Tanz" etwa oder in „Viel zu schön", das seine „frohe Botschaft" weiterträgt: „Viel zu schön hier auf der Erde, viel zu schön für'n Leben in der Herde".
Gegen den Strom
Schon immer schwamm Stoppok - mit Vornamen Stefan in Hamburg geboren, vom fünften Lebensjahr an in Essen aufgewachsen und so entscheidend vom Ruhrgebiet geprägt, mittlerweile im idyllischen Vierseenland Oberbayerns zu Hause - gegen den Strom. Wo andere um des lieben Erfolgs willen musikalischen Fast-Food-Moden folgten, blieb er dem ehrlichen Handwerk treu: Der Blues, der Folk, der Rock'n'Roll, ja auch die besten Elemente eines progressiven Rocks - seine erste Gruppe, die „Stenderband", orientierte sich einst nicht ohne Grund an den unvergleichlichen „Gentle Giant" - waren und sind seine Basis. Wo andere ihre Herkunft an englischsprachiges Tralala verrieten, blieb er der deutschen Sprache und seinem Ruhr-Dialekt treu. Und wo andere sich der Musikindustrie mit Haut und Haaren verkauften, behielt Stoppok - nach ernüchternden Erfahrungen - lieber alles selbst unter Kontrolle: Produziert selbst im eigenen Verlag „La-La-Land" und fürs eigene Label „Grundsound", entscheidet selbst über seine Außendarstellung, und verlässt sich auf ähnlich gepolte Freunde und Musiker wie Bernie Conrads, Danny Dziuk, Benny Greb oder Reggie Worthy.
Gesamtkunstwerk
Wohl nur so blieb es erhalten, das Gesamtkunstwerk Stoppok, diese schillernde Persönlichkeit, die ganz unterschiedliche Qualitäten in sich vereint. Da ist einmal der herausragende Instrumentalist, dessen Können an Gitarre, Banjo und Co, - mittlerweile kombiniert mit eigens bei der Firma Schlagwerk entwickelten, mit den Füßen bedienbaren Perkussioninstrumenten - über jeden Zweifel erhaben ist. Da ist der Entertainer, der den Kontakt mit seinem Publikum liebt, ohne sich anzubiedern; der mit ironischen Plaudereien und gegen jeden Strich gebürsteten Kommentaren seine Inkompatibilität zum Massengeschmack pflegt. Unterhaltung hat bei Stoppok seit jeher mit Haltung zu tun. Was sich schließlich beim genialen Singer/Songwriter Stoppok zeigt. Die Texte seiner unverwechselbar lakonisch und leicht nasal gesungenen Songs gehören seit über 25 Jahren zu den besten, witzigsten und vor
SOLO
allem menschlichsten des deutschsprachigen Raums. Es ist nicht übertrieben, Stoppok einen deutschsprachigen Pionier zu nennen: Kraftvolle und intelligente Protestsongs („Learning by Burning"), Balladen und Liebeslieder, die ohne einen Anflug von Betroffenheitslyrik direkt ins Herz treffen („Leise"), witzige Reflektionen der Malessen des Alltags („Ärger", „Scheiße am Schuh" oder „Kalter Kaffee") und nicht zuletzt ebenso authentische wie humorvolle Beschreibungen von Ruhrpott- Figuren und Schlawinern aller Schichten (von „Lotto gewonn" bis „Willie und Gerd") - Stoppok ist ein begnadeter Geschichtenerzähler mit Herz für die Underdogs und Zukurzgekommenen. Wenn er auf dem Banjo „die harte Zeit zwischen Twen-Tours und Seniorenpass" besingt, dann decken sich seine Erfahrungen („keiner gibt Rabatt, keiner, der Erbarmen hat") mit denen seines Publikums.
Einzigartiges Repertoire
Es ist inzwischen also ein gewaltiges und einzigartiges Repertoire, aus dem Stoppok auswählen kann, wenn er wieder loszieht. Was genau er dann an den Stationen seiner Vorweihnachtstour spielen wird, weiß er vorher nie genau, Stoppok überlässt vieles der Stimmung, seiner wie der des Publikums. Das ist die vielleicht wichtigste Lektion, die er vor vielen Jahren als Straßenmusiker auf Tour durch ganz Europa gelernt hat: Ehrlich zu bleiben, sich einzulassen auf die Situation, auf den Moment und auf die künstlerische Freiheit. Deshalb kann man sich immer sicher sein, bei einem Stoppok-Konzert auch den echten und ganzen Stoppok zu bekommen.
Oliver Hochkeppel

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